SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei fr ein anderes China

Jrgen Reder juergen.reder at gmail.com
Sa Okt 16 13:26:54 CEST 2010


Liebes Sinonet, 

 

ich wollte keinesfalls Kritik an Liu Xiaobo verhindern. Ich begrüße natürlich eine Diskussion und Kritik in allen Bereichen. Jedoch habe ich darauf verwiesen, dass die Vermischung von 2 verschiedenen Diskursen, wie Sie Herr Werner treffend beschreibt, Herrn Liu Xiaobo denunziert hat. Und für mich damit auch andere Opfer des willkürlichen Regimes in China. Zudem wollte ich auch nochmals betonen, dass Liu Xiaobo Opfer und nicht Täter ist.

 

Ich habe mich in der Sache sicherlich scharf gegenüber Herrn Kneussel geäußert, jedoch ihn nicht einmal persönlich oder unter der Gürtellinie angegriffen. Daher freut es mich, dass sich Herr Fitzthum selbst in den untergriffigen Anschuldigen gegenüber meiner Person beschreibt. Dazu will ich mich auch weiters nicht äußern, da so eine Diskussion hier wohl kaum jemanden interessiert. 

 

Ich habe mich dennoch über die restlichen Beiträge und die bereichernde Diskussion gefreut.

 

Liebe Grüsse,

Jürgen Reder

 

  

 

  _____  

Von: Robert Fitzthum [mailto:robert.fitzthum at rfmc.at] 
Gesendet: Freitag, 15. Oktober 2010 17:27
An: 'Jürgen Reder'; sinonet at lists.univie.ac.at; gregor.kneussel at gmx.net; helmut.opletal at univie.ac.at
Cc: 'Raffaela Singer'; irado at gmx.at
Betreff: AW: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China

 

Lieber Kollege Reder,

 

ich habe ja hier selten einen Beitrag gelesen, der so unter der Gürtellinie und auf Kronen Zeitung Leserbriefniveau war.

Wenn Sie ein Propagandaforum suchen, wenden Sie sich an Facebook oder Twitter.

 

Es muss doch wohl möglich sein, eine umfassendere Beurteilung einer Person zu diskutieren außer der  seiner  Solidarität verdienenden bedauerlichen persönlichen Situation. Dazu gehören die Diskussion seiner  politischen Aussagen und  auch die Frage wie und in welchem Interesse Friedensnobelpreise verliehen werden. Wer das ausschalten möchte, will offensichtlich nur einen Teil des Gesamtbildes  sehen, hat kein Interesse an der Wahrheit sondern möchte seinen gedanklichen Schrebergarten pflegen und nimmt alles was passiert zur Bestätigung seines Weltbildes.

 

Welchen negativen Beitrag Sie damit zum Thema freie Diskussion leisten, wird  Ihnen hoffentlich  bewusst,

 

Mit freundlichen Grüßen

Robert Fitzthum

 

Von: sinonet-bounces at lists.univie.ac.at [mailto:sinonet-bounces at lists.univie.ac.at] Im Auftrag von Jürgen Reder
Gesendet: Donnerstag, 14. Oktober 2010 11:05
An: sinonet at lists.univie.ac.at; gregor.kneussel at gmx.net; helmut.opletal at univie.ac.at
Cc: 'Raffaela Singer'; irado at gmx.at
Betreff: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China

 

Liebes SinoNet, 

seit einigen Tagen nun verfolge ich die Diskussion hier. 

Liu Xiaobo opfert sein Leben vor allem für freie Meinungsäußerung in einer Art und Weise, die als heldenhaft bezeichnet werden kann. Sich gegen ein Unrechtsregime zu stellen und für (mehr) Demokratie zu kämpfen, sprich für Tausende von Opfer dieses Unrechtsregimes einzutreten, sich für tausende politisch Verfolgte einzusetzen, sollte bejubelt, geachtet und respektiert als kritisiert werden.

Der eigens von Herrn Kneussel nochmals zitierte Satz zeigt eindeutig die Argumentationslinie, die im Rassismus alltäglich angewandt wird (siehe die Literatur der Linguistin Ruth Wodak). Ja, aber…Konstruktionen dienen dazu, Opfer zu Tätern umzustilisieren und um sie zu denunzieren. „Natürlich sollten die Asylwerber nicht abgeschoben werden, aber sie sind ja selber schuld, dass sie…“

Zudem untermauert Herr Kneussel weiterhin seine Thesen zu Herrn Liu Xiaobo. In diesem Kontext, es ging ursprünglich um seinen Nobelpreis und seine Haftstrafe, ihn als neoliberalen Bush-Fanatiker darzustellen, ist eine Umkehrung der Tatsachen und Herabwürdigung seines Kampfes gegen das Unrechtsregime. 

Er ist kein Täter, er ist OPFER! 

Gleichsam wie Herrn Opletal machen mich derartige Meldungen daher ebenfalls betroffen und wütend. Weshalb die Erwähnung von Emotionen die Sachlichkeit herabsetzen sollte, verstehe ich ebenfalls nicht. 

Ich empfinde es ebenfalls nicht als eurozentristisch, wenn man für die Freiheit von Liu Xiaobo eintritt. Denn, egal welche politischen Haltungen er einnimmt, es ist Unrecht, ihn seiner Freiheit zu berauben. Und das stellvertretend für Tausende. Dafür trete ich gerne ein. 

LG,

Jürgen Reder

 

 

Mit freundlichen Grüßen 

 

Mag. Jürgen Reder 

 

 

Furtwänglerplatz 30/4

1130 Wien

mobile + 43 650 2912799

 

mail: juergen.reder at gmail.com

networking: https://www.xing.com/profile/Juergen_Reder

 

 

Von: Gregor Kneussel <gregor.kneussel at gmx.net>
Datum: 14. Oktober 2010 09:06:06 MESZ
An: sinonet at lists.univie.ac.at
Betreff: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China

Liebe KollegInnen!

Zur Erinnerung zitiere ich mich selbst: "Natürlich sollte [Liu Xiaobo] 
dafür nicht im Gefängnis sitzen; dass er im Gefängnis sitzt, enthebt 
seine Ansichten jedoch nicht jeglicher Kritik." Ist das 
missverständlich? Ich glaube nicht. Ich halte es mit 秦暉 von der 清華大 
學, der in Bezug auf Liu und seine  sagte: “我不同意你的觀點,但堅決捍衛 
你發表觀點的權利。”

Wer nicht nur die deutschsprachigen Medien konsumiert, sondern auch die 
chinesischsprachige Diskussion über Liu Xiaobo verfolgt hat und Liu 
Xiaobos Schriften kennt, weiß, dass sein Interview in der 《解放月報》 
1988 kein „Ausreißer“ war, sondern in seinem positivistischen 
Geschichtsbild wurzelt (er stand auch 2006 in einem Artikel in derselben 
Zeitschrift zu seinen Aussagen von 1988), kann auch nachvollziehen, 
warum ich ihn als neoliberal bezeichne und weiß auch, dass ich damit im 
chinesischen Sprachraum keineswegs alleine dastehe. Ich halte es nicht 
für einen Zufall, dass die deutschsprachigen Medien nicht berichten, 
dass Liu explizit die Bush-Doktrin, wie er sie nennt, die Kriege der USA 
gegen den Irak und gegen Afghanistan (und gegen Vietnam etc.) in 
zahlreichen Artikeln unterstützt und 2004 z.B. den "prinzipienlosen 
Kuschelkurs" von Bush' Gegenspieler Kerry kritisiert hat. Er ist 
tatsächlich sehr konsequent.

Auf die Unterstellungen von Helmut (im "Stil der kulturrevolutionären 
Rotgardisten"?) möchte ich nicht eingehen.

Herzliche Grüße
Gregor

_______________________________________________
SinoNet mailing list
SinoNet at lists.univie.ac.at
https://lists.univie.ac.at/mailman/listinfo/sinonet

-------------- nchster Teil --------------
Ein Dateianhang mit HTML-Daten wurde abgetrennt...
URL: https://lists.univie.ac.at/pipermail/sinonet/attachments/20101016/ae78b5a4/attachment-0001.html