SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)
daniel wueringer
daniel.wueringer at wueringer.net
Do Okt 14 06:06:28 CEST 2010
Hallo Herr Opletal,
ohne auf Ihre inhaltlichen Argumente eingehen zu wollen, finde ich es schade wie sich diese Diskussion entwickelt. Wir folgen damit einem Trend Sachdiskussionen durch emotionale Argumente zu ersticken. Gerade in einem Emailverteiler der hauptsächlich Akademiker beinhaltet, sollte so etwas nicht passieren. Ich würde Sie daher bitten sich auf Sachargumente zu beschränken und keinem der Diskutanten Bösartigkeit und politische Motivationen zu unterstellen, bzw. hier zu Solidaritätsbekundungen aufzurufen. Ich bin überzeugt der Verteilerkreis ist intelligent genug um sich selbst ein Bild der Absicht jedes Diskutanten zu machen.
Inhaltich fand ich die Diskussion sehr interessant, auch den ersten Ihrer Beiträge. Ich hätte gehofft daß es gerade im Umfeld der Sinologie möglich ist auch kontroversielle Inhalte sachlich zu diskutieren.
Freundliche Grüße,
Daniel Würinger
Von: sinonet-bounces at lists.univie.ac.at [mailto:sinonet-bounces at lists.univie.ac.at] Im Auftrag von Helmut Opletal
Gesendet: Mittwoch, 13. Oktober 2010 19:12
An: 'Kim Kwok'; helmut.opletal at univie.ac.at; 'Robert Fitzthum'
Cc: sinonet at lists.univie.ac.at
Betreff: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)
Lieber Robert, liebe Mitdiskutanten!
1) Sachliche Diskussion? Ich habe geantwortet auf eine sehr unsachliche Diskussion, die hier angezettelt worden ist, auf den Versuch, ein Opfer der Justizwillkür mit Häme und Spott runterzumachen (dies geschah vor allem durch den Verweis auf den bösartigen Artikel von Sautman/Yan – s. „Ig Nobelpreis“).
2) Zu sagen „die Ablehnung der Verurteilung steht ja doch außer Streit“ reicht mir da nicht aus, wenn ich gleichzeitig sehr wohl das Opfer denunziere.
3) „Neoliberal“ war in diesem Kontext und in den zynischen Formulierungen von Georg Kneussl eindeutig als Denunzierung und Schimpfwort zu verstehen, auch „politische Ansichten …, die man hier in weiten Kreisen eher ablehnen würde“ (wer? welche? warum?), klingt mehr nach „pfui“ als nach sachlicher Diskussion.
4) Dass Lius Wunsch nach „300 Jahren Kolonisierung“ nicht wörtlich zu nehmen ist, sondern als rhetorische Metapher, ist selbst aus dem verkürzten Zitat klar. Und wenn wir schon bei westlichem/europäischem Gedankengut sind: Was ist mit Marx, Engels, Lenin, Stalin? Wo kommt denn das her? Also eine Debatte über Modernisierung, gerechte Gesellschaftsordnung etc. (in China oder anderswo) ist sicher über Inhalte zu führen, nicht über die geografische Herkunft von Ideen, und schon gar nicht auf dem Rücken von für ihre Meinung eingekerkerten Bürgerrechtlern.
5) Bleibt die Frage: Wie haltet Ihr es mit der Solidarität mit jemandem, dessen Grundrechte gröbest verletzt werden (auch wenn er in einigen Fragen Meinungen geäußert hat, die von Euren abweichen)?
Grüße, Helmut
Dr. Helmut Opletal
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1030 Wien, Austria
Tel.: 01-7151364
Mobil: 0676-6038512
helmut.opletal at aon.at<mailto:helmut.opletal at aon.at>
________________________________
Von: sinonet-bounces at lists.univie.ac.at [mailto:sinonet-bounces at lists.univie.ac.at] Im Auftrag von Kim Kwok
Gesendet: Mittwoch, 13. Oktober 2010 16:11
An: helmut.opletal at univie.ac.at; Robert Fitzthum
Cc: sinonet at lists.univie.ac.at
Betreff: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)
è¿™é‡Œçš„è®¨è®ºå¾ˆæœ‰æ„æ€ï¼Œæœ‰äº›è¯å¾ˆæƒ³è¯´ã€‚
æ¯ä¸ªäººéƒ½æœ‰ç›²ç‚¹ã€‚在ä¸å›½çš„人å‘往他们心目ä¸"美好"的西方,在西方的人å‘å¾€ä»–ä»¬å¿ƒç›®ä¸ "纯æ´"çš„ä¸œæ–¹ã€‚å¤§å®¶å„æœ‰å„的想象, ä¹Ÿå„æœ‰å„çœ‹ä¸æ¸…的地方。
刘晓波å‘往殖民统治,是已ç»ä¸åˆæ—¶å®œä¹Ÿå¾ˆç›²ç›®ï¼Œè¿™è¯å³ä½¿ä»Šå¤©åœ¨é¦™æ¸¯ä¹Ÿä¼šè¢«æ‰¹è¯„。 我ä¸äº†è§£ä»–è¿™ç§æƒ³æ³•的背景, æœ‰å¾…å†æŽ¢ç´¢ã€‚
然而, æ˜¯ä¸æ˜¯å› 为他的这些想法和言论, å°±è¦å¦å®šä»–所åšçš„事情呢? æ˜¯ä¸æ˜¯ä»–å‘往民主和自由就被扣帽å"neoliberal"? (这里还真è¦å¼„清楚是指neoliberal 还是new liberal) 首先,我ä¸è®¤ä¸ºè¯ºè´å°”å¥–çš„è¯„é€‰å°±ä»£è¡¨è‡³é«˜æ— ä¸Šçš„é“å¾·æ ‡å‡†ã€‚å¾—äº†å¥–ï¼Œæ˜¯ä¸€ç§çš„鼓励和肯定,得ä¸åˆ°ï¼Œæˆ‘è®¤ä¸ºåˆ˜æ™“æ³¢çš„ä»·å€¼ä¹Ÿæ²¡æœ‰å› æ¤è€Œé™ä½Žã€‚
所有诺è´å°”奖的获奖人都è¦é¢å¯¹å„ç§å„æ ·çš„è¯„è®ºï¼Œæ˜¯è°„åªšè¿˜æ˜¯é™·å®³ï¼Œè¿˜æ˜¯è¦ç•™å¾…历å²åŽ»è¯„ä»·ã€‚
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香港
--- On Wed, 13/10/10, Robert Fitzthum <robert.fitzthum at rfmc.at> wrote:
From: Robert Fitzthum <robert.fitzthum at rfmc.at>
Subject: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)
To: helmut.opletal at univie.ac.at
Cc: sinonet at lists.univie.ac.at
Date: Wednesday, 13 October, 2010, 8:14 PM
Lieber Helmut Opletal,
ich denke, auch politische Angelegenheiten sollte man sachlich diskutieren können.
Die Ablehnung einer Verurteilung steht ja doch außer Streit.
Interessant war der Beitrag von Herrn Kneussel allemal, da er zeigte, dass Liu politische Ansichten vertritt, die man hier in weiten Kreisen eher ablehnen würde. Welche Folgen es für China und die Welt haben könnte, wenn sich seine Meinung politisch durchsetzen würde, ist ja auch ein interessanter Themenkreis.
Interessant auch das Kurier Interview von Fr. Prof. Weigelin-Schwiedrzik<http://kurier.at/nachrichten/2039723.php>.
Zusätzliche Information zu erhalten und Diskussion ist ja wohl der Zweck solcher Netzwerke.
Mit besten Grüßen
Robert Fitzthum
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: sinonet-bounces at lists.univie.ac.at [mailto:sinonet-bounces at lists.univie.ac.at] Im Auftrag von Helmut Opletal
Gesendet: Mittwoch, 13. Oktober 2010 13:14
An: Gregor Kneussel
Cc: sinonet at lists.univie.ac.at
Betreff: SinoNet: Re: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)
Lieber Mitdiskutierende, auch wenn da offenbar manches nicht für die
Allgemeinheit gedacht war, mir platzt trotzdem der Kragen!
Meint Ihr das ernst und seid Ihr wirklich von allen guten Geistern
verlassen? Merkt Ihr eigentlich, wessen Spiel Ihr da spielt?
Hier ist ein chinesischer Bürgerrechtsaktivist, an dem ein ziemlich
perfides Exempel statuiert wurde, der für Meinungsäußerungen und
zivilgesellschaftliche Aktivitäten, die auch Ihr (so hoffe ich) für
selbstverständlich in einer aufgeklärten Gesellschaft haltet, zu elf
Jahren Kerker verknackt wurde, stellvertretend für 300 weitere
Unterzeichner der Charta08, an die man sich – aus Angst vor
Solidarisierungen – nicht gleich so radikal zu vergreifen wagte. Und Euch
fällt nichts besseres ein, als ihm das Etikett „neoliberal“ auf die Stirn
zu picken und eine aus dem Kontext gerissene Aussage aus dem Jahr 1988 (!)
hervorzukramen, um ihn im Stil der kulturrevolutionären Rotgardisten zu
denunzieren.
Was wollt Ihr damit eigentlich suggerieren? Dass er zu Recht verurteilt
worden ist? Dass es mit „Neoliberalen“ (was immer Ihr darunter versteht),
mit Chinesen, die am westlichen Gesellschaftsmodell was Gutes finden, oder
meinetwegen auch die US-Intervention im Irak gutgeheißen haben, keine
Solidarität in Bezug auf grundlegende Menschenrechte geben kann?
Man mag sicher über einzelne Ansichten von Liu und anderen chinesischen
Dissidenten diskutieren (und das geschieht ja auch zwischen den
unterschiedlichen Vertretern der chinesischen Bürgerrechtsbewegung), man
mag auch debattieren, ob ihm wirklich der Nobelpreis gebührt. Aber
jemandem, der von einem Unrechtsregime und einer Unrechtsjustiz derart
menschenverachtend behandelt wird, auch noch Spott und Hohn nachzuschicken
(wie es Sautman and Yan in dem zitierten Artikel tun!), halte ich für
einigermaßen unwürdig.
In diesem Sinne, grüßt euch Helmut Opletal
On Mi, 13.10.2010, 05:09, Gregor Kneussel wrote:
> Verzeihung – das hätte nicht an die Liste gehen sollen, sondern nur an
> Martin. Und bitte auch den Tippfehler zu entschuldigen (Li/Liu).
>
> Gregor
>
> -------- Original-Nachricht --------
> Betreff: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China
> Datum: Wed, 13 Oct 2010 10:09:48 +0800
> Von: Gregor Kneussel <gregor.kneussel at gmx.net>
> An: SinoNet at lists.univie.ac.at
>
> Gratuliere!
>
> Untenstehend ein etwas anderer Blickwinkel von Sautman und Yan, dem ich
> noch hinzufügen würde, dass Li Xiaobo (als konsequenter Neoliberaler und
> mutiger Verfechter der zivilisatorischen Mission des Westens) ein
> begeisterter Unterstützer des Angriffs der USA auf den Irak war und ist.
>
> Natürlich sollte er dafür nicht im Gefängnis sitzen; dass er im
> Gefängnis sitzt, enthebt seine Ansichten jedoch nicht jeglicher Kritik.
>
> Herzliche Grüße
> Gregor
>
> _______________________________________________
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>
>
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Dr. Helmut Opletal
Institut für Ostasienwissenschaften (Sinologie)
Universität Wien
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Tel.: (+43-1) 4277-43852; -43840 (Sekretariat)
helmut.opletal at univie.ac.at
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