SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China
Gregor Kneussel
gregor.kneussel at gmx.net
Do Okt 14 09:06:06 CEST 2010
Liebe KollegInnen!
Zur Erinnerung zitiere ich mich selbst: "Natürlich sollte [Liu Xiaobo]
dafür nicht im Gefängnis sitzen; dass er im Gefängnis sitzt, enthebt
seine Ansichten jedoch nicht jeglicher Kritik." Ist das
missverständlich? Ich glaube nicht. Ich halte es mit 秦暉 von der 清華大
學, der in Bezug auf Liu und seine sagte: “我不同意你的觀點,但堅決捍衛
你發表觀點的權利。”
Wer nicht nur die deutschsprachigen Medien konsumiert, sondern auch die
chinesischsprachige Diskussion über Liu Xiaobo verfolgt hat und Liu
Xiaobos Schriften kennt, weiß, dass sein Interview in der 《解放月報》
1988 kein „Ausreißer“ war, sondern in seinem positivistischen
Geschichtsbild wurzelt (er stand auch 2006 in einem Artikel in derselben
Zeitschrift zu seinen Aussagen von 1988), kann auch nachvollziehen,
warum ich ihn als neoliberal bezeichne und weiß auch, dass ich damit im
chinesischen Sprachraum keineswegs alleine dastehe. Ich halte es nicht
für einen Zufall, dass die deutschsprachigen Medien nicht berichten,
dass Liu explizit die Bush-Doktrin, wie er sie nennt, die Kriege der USA
gegen den Irak und gegen Afghanistan (und gegen Vietnam etc.) in
zahlreichen Artikeln unterstützt und 2004 z.B. den "prinzipienlosen
Kuschelkurs" von Bush' Gegenspieler Kerry kritisiert hat. Er ist
tatsächlich sehr konsequent.
Auf die Unterstellungen von Helmut (im "Stil der kulturrevolutionären
Rotgardisten"?) möchte ich nicht eingehen.
Herzliche Grüße
Gregor