SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)

Robert Fitzthum robert.fitzthum at rfmc.at
Mi Okt 13 14:14:31 CEST 2010


Lieber Helmut Opletal,

 

ich denke, auch politische Angelegenheiten sollte man sachlich diskutieren können.

Die Ablehnung einer Verurteilung steht ja doch außer Streit.

Interessant war der Beitrag von Herrn Kneussel allemal, da er zeigte, dass Liu politische Ansichten vertritt, die man hier in weiten Kreisen eher ablehnen würde. Welche Folgen es für China und die Welt haben könnte, wenn sich seine Meinung politisch durchsetzen würde, ist ja auch ein interessanter Themenkreis.

Interessant auch das Kurier Interview von Fr. Prof. Weigelin-Schwiedrzik <http://kurier.at/nachrichten/2039723.php> .

 

Zusätzliche Information zu erhalten und Diskussion ist ja wohl der Zweck solcher Netzwerke. 

 

 

Mit besten Grüßen

 

Robert Fitzthum

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: sinonet-bounces at lists.univie.ac.at [mailto:sinonet-bounces at lists.univie.ac.at] Im Auftrag von Helmut Opletal
Gesendet: Mittwoch, 13. Oktober 2010 13:14
An: Gregor Kneussel
Cc: sinonet at lists.univie.ac.at
Betreff: SinoNet: Re: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)

 

Lieber Mitdiskutierende, auch wenn da offenbar manches nicht für die

Allgemeinheit gedacht war, mir platzt trotzdem der Kragen!

 

Meint Ihr das ernst und seid Ihr wirklich von allen guten Geistern

verlassen? Merkt Ihr eigentlich, wessen Spiel Ihr da spielt?

 

Hier ist ein chinesischer Bürgerrechtsaktivist, an dem ein ziemlich

perfides Exempel statuiert wurde, der für Meinungsäußerungen und

zivilgesellschaftliche Aktivitäten, die auch Ihr (so hoffe ich) für

selbstverständlich in einer aufgeklärten Gesellschaft haltet, zu elf

Jahren Kerker verknackt wurde, stellvertretend für 300 weitere

Unterzeichner der Charta08, an die man sich – aus Angst vor

Solidarisierungen – nicht gleich so radikal zu vergreifen wagte. Und Euch

fällt nichts besseres ein, als ihm das Etikett „neoliberal“ auf die Stirn

zu picken und eine aus dem Kontext gerissene Aussage aus dem Jahr 1988 (!)

hervorzukramen, um ihn im Stil der kulturrevolutionären Rotgardisten zu

denunzieren.

 

Was wollt Ihr damit eigentlich suggerieren? Dass er zu Recht verurteilt

worden ist? Dass es mit „Neoliberalen“ (was immer Ihr darunter versteht),

mit Chinesen, die am westlichen Gesellschaftsmodell was Gutes finden, oder

meinetwegen auch die US-Intervention im Irak gutgeheißen haben, keine

Solidarität in Bezug auf grundlegende Menschenrechte geben kann?

 

Man mag sicher über einzelne Ansichten von Liu und anderen chinesischen

Dissidenten diskutieren (und das geschieht ja auch zwischen den

unterschiedlichen Vertretern der chinesischen Bürgerrechtsbewegung), man

mag auch debattieren, ob ihm wirklich der Nobelpreis gebührt. Aber

jemandem, der von einem Unrechtsregime und einer Unrechtsjustiz derart

menschenverachtend behandelt wird, auch noch Spott und Hohn nachzuschicken

(wie es Sautman and Yan in dem zitierten Artikel tun!), halte ich für

einigermaßen unwürdig.

 

In diesem Sinne, grüßt euch Helmut Opletal

 

 

 

 

 

On Mi, 13.10.2010, 05:09, Gregor Kneussel wrote:

> Verzeihung – das hätte nicht an die Liste gehen sollen, sondern nur an

> Martin. Und bitte auch den Tippfehler zu entschuldigen (Li/Liu).

> 

> Gregor

> 

> -------- Original-Nachricht --------

> Betreff: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China

> Datum: Wed, 13 Oct 2010 10:09:48 +0800

> Von: Gregor Kneussel <gregor.kneussel at gmx.net>

> An: SinoNet at lists.univie.ac.at

> 

> Gratuliere!

> 

> Untenstehend ein etwas anderer Blickwinkel von Sautman und Yan, dem ich

> noch hinzufügen würde, dass Li Xiaobo (als konsequenter Neoliberaler und

> mutiger Verfechter der zivilisatorischen Mission des Westens) ein

> begeisterter Unterstützer des Angriffs der USA auf den Irak war und ist.

> 

> Natürlich sollte er dafür nicht im Gefängnis sitzen; dass er im

> Gefängnis sitzt, enthebt seine Ansichten jedoch nicht jeglicher Kritik.

> 

> Herzliche Grüße

> Gregor

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