SinoNet: Liu Xiaobo &「三百年殖民地」細說從頭

Kim Kwok fredakk at yahoo.com
Fr Nov 12 10:50:47 CET 2010


Liebe Mitdiskutierende des SinoNets,
 
ich moechte nicht laestig sein. Aber hier ist ein Artikel der einen Ueberblick ueber die These des Kolonialismus von Liu Xiaobo anbietet. For those who are interested: 
 
「三百年殖民地ã€ç´°èªªå¾žé ­
http://www.open.com.hk/1011p44.html
 
Gruesse aus HK,
Kim Kwok (郭儉)


--- On Fri, 15/10/10, Jacqueline and Martin Winter <dujuan99 at gmail.com> wrote:


From: Jacqueline and Martin Winter <dujuan99 at gmail.com>
Subject: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)
To: "sinonet" <SinoNet at lists.univie.ac.at>
Cc: "Winter Jacqueline" <J.Winter at awsg.at>
Date: Friday, 15 October, 2010, 10:39 PM




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Lieber Andreas Werner,
 
das ganze Ost-West-Diskutieren geht mir schon wieder nur noch auf die Nerven. Für Gao Xingjian haben einige chinesische Literaturwissenschaftler in England (Henry Y.I. Zhao) und in Singapur geworben, außerdem war sein schwedischer Übersetzer im Komitee. Der hat auch Bei Dao übersetzt, also dass es dann doch Gao wurde, war eben eine Überraschung und hat sehr wohl politische Auswirkungen, u.a. fühlen sich chinesische Exilanten durch Gao ermutigt, weil er sich nicht arrangieren will. Ich habe die beiden Romane auf Chinesisch gelesen und finde gerade die Sprache wunderbar, wie auch manche meiner chinesischen Freunde. Geduld braucht es, Zeit und Unvoreingenommenheit. Etwas südchinesisch, die Sprache, hat ich an Ge Fei in den frühen 90er Jahren erinnert.
 
Wie oft man es auch sagt, Ihr kapiert es ja doch nicht, dass Liu für die Charta 08 verurteilt wurde. Nicht mehr und nicht weniger. Die Charta 08 und Lius Teilnahme an den Protesten von 89 sind doch wohl wichtiger, als was er sonst noch gesagt hat, oder irgendwer sonst noch denkt, oder? 
 
Ach ja,
Martin




From: Winter Jacqueline 
Sent: Friday, October 15, 2010 3:59 PM
To: andreas.werner at cn.rbinternational.com ; helmut.opletal at aon.at 
Cc: sinonet at lists.univie.ac.at 
Subject: Re: SinoNet:Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)




Danke an Andreas Werner.
Jacqueline Winter 
 
 
 





Mag. Jacqueline Winter 

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Von: sinonet-bounces at lists.univie.ac.at [mailto:sinonet-bounces at lists.univie.ac.at] Im Auftrag von andreas.werner at cn.rbinternational.com
Gesendet: 14. Oktober 2010 08:09
An: helmut.opletal at aon.at
Cc: sinonet at lists.univie.ac.at
Betreff: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)
 

Lieber Helmut Opletal, 

wenn ich die Diskussionsbeitraege lese, reissts mich genauso wie den Helmut Opletal. Dem ich uebrigens voll zustimme (so gehts wirklich nicht, Justizwillkuer bleibt eine solche ist dementsprechend scharf zu verurteilen). Hier wird munter drauf los instrumentalisiert, und das sollte man rechtzeitig merken und sich nicht gefallen lassen. Von keiner Seite.  Es werden naemlich zwei Dinge, die nur sehr bedingt miteinander zu tun haben, vermengt, was eine sachliche Diskussion erschwert bzw. sogar unmoeglich macht. Dem  Aufschrei, dass man doch so mit einem inhaftierten Menschenrechtsaktivisten nicht umgehen kann, ist vorbehaltlos zuzustimmen. 
Davon sauber getrennt zu diskutieren ist jedoch, ob Liu aufgrund seiner Ansichten und Thesen, oder, um in der Diktion zu bleiben, "politischen" Ansichten, den Nobelpreis verdient hat oder nicht. Nur ist dies eine ganz andere Diskussion. Die an Liu begangene Justizwillkuer scharf zu kritisieren, heisst noch lange nicht, dass man seine Weltsicht teilt oder seine Rezepte fuer China fuer richtig haelt. Seine Thesen nicht zu teilen heisst noch lange nicht, dass man seine Inhaftierung fuer akzeptabel haelt. 

Was diese Diskussion eben so ungemuetlich macht. Man kommt naemlich sehr schnell ins falsche Eck. Was Robert Fitzthum offenbar passiert ist. Auch wenn die lauwarme Ablehnung der Infhaftierung ein bissl patschert ist (weil man in diesem Fall eben scharf und nicht lauwarm verurteilen muss), eine sachliche Diskussion zu Lius Thesen muss erlaubt sein. Immerhin ist er jetzt Nobelpreistraeger, sich mit seinen Thesen sachlich auseinander zu setzen ist also durchaus legitim. Da hat der R. Fitzthum schon recht. Nur ist die SCMP-Polemik nicht sachlich. 
Wenn man es nun unvoreingenommen versucht, dann kommt man vielleicht zur Ansicht, dass der Nobelpreis hier eher politisch, dh. gegen China, nicht fuer Liu, vergeben wurde. Was das offizielle China nicht ganz zu Unrecht kritisiert, das Nobelpreiskommittee ist hier Wiederholungstaeter (oder will mir jemand einreden, dass der letzte chin. Literaturnobelpreis fuer grosse Literatur vergeben wurde ? Ich empfehle die Lektuere des Buches im Original). Dass Interventionen gegen eine Verleihung an Liu eben diese geradezu herausgefordert haben, hat man sich freilich selber zuzuschreiben. 

Die Auesserung Lius, dass China 300 Jahre Kolonialisierung brauche, stammt zwar aus 1988, er hat sie aber nie zurueckgenommen oder relativiert, im Gegenteil, und es passt durchaus zu seiner eher unkritischen Rezeption des "westlichen" politischen Wertesystems. Das einfach als Metapher abzutun greift vielleicht doch ein bisschen zu kurz: die Konnotation die "Kolonalisierung" in China hat (man denke nur an an die zweite Haelfte des 19ten und die 20er und 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts), kann man nicht einfach ausser Acht lassen. So etwas geht in China nicht einmal als Metapher durch. Zur Veranschaulichung der heimische Kontext: geht "ordentliche Beschaeftigungspolitik" als Metapher, die man nicht zu ernst nehmen sollte, durch ? Wohl eher nicht. Eher ganz heftig nicht. 

H. Opletal fordert ein sachliche Debatte zu Modernisierung und gerechter Gesellschaftsordnung ueber Inhalte und nicht auf Lius Ruecken. Da bin ich bei ihm. Diese Diskussion ist zu fuehren, und zwar mit Argumenten, nicht mit Polemik a la SCMP. Ein zaghafter Versuch in diese Richtung: der Vorschlag der Einfuehrung einer Demokratie rein westlichen Musters in China ist, fuerchte ich, mit etwas Vorsicht zu geniessen: in Russland ging das naemlich unklusive Privatisierung ziemlich schief, und Russland hat sicher mehr westlich-demokratische Tradition als China. Damit ich hier nicht ins falsche Eck gestellt werde: ich bin ein heftiger Verfechter von Demokratie und die von Liu kritisierten Zustaende in China sind in der Tat alles andere als lustig. Ich lebe seit fast 20 Jahren hier und koennte noch einige hinzufuegen, die Liu vielleicht nicht einmal kennt (er leitet naemlich keine Firma in China). Ob seine Rezepte dagegen allerdings praxistauglich (bzw.
 preiswuerdig) waeren, muss offen fuer eine Diskussion sein. 

Der Anmerkung, dass Lius Thesen "hier", ich vermute, R. Fitzthum meint China, nicht mehrheitsfaehig sind, wuerde ich zustimmen. Ich habe mehrere Chinesen in meinem Umfeld befragt (und da sind auch Teilnehmer vom Tiananmen 89 darunter): mit dem Vorschlag der Kolonialisierung  koennen die ebensowenig anfangen wie mit der unkritischen Propagierung des westlichen, sprich amerikanischen, politischen Systems. Wir sind eben in China, nicht in Amerika oder Europa, mit einer ganz anderen Historie und ganz anderen Voraussetzungen. Wie man in Russland gesehen hat, kann man Systeme nicht einfach kopieren. In grossen Laendern mit langer Geschichte schon gar nicht. Da braucht es genuine, vielleicht sogar gaenzlich neue Konzepte (fuer deren Erfinden eine Nobelpreisverleihung dann tatsaechlich mehr als gerechtfertigt waere, aber hier scheitert der diesjaehrige Nobelpreistraeger bzw. er versucht es nicht einmal). So polemisch (und das geht in der Tat nicht, denn Liu
 sitzt im Gefaengnis und kann sich nicht einmal wehren) die beiden SCMP-Autoren das auch darstellen (man sei Menschrechtsaktivist, prowestlich, antikommunistisch und im Gefaengnis und die Chancen auf den Nobelpreis steigen dramatisch), "bu yi yan fei yi": ob simples Kopieren des westlichen politischen Systems fuer China vorzuschlagen als Qualifikation zum Nobelpreis reicht, das zu hinterfragen sollte zumindest erlaubt sein. 

Die Perfidie in der Methode liegt hier leider auf beiden Seiten: wenn man sich Lius Thesen genauer anschaut, kann man sich des Eindrucks der politischen Vergabe eben nicht erwehren: die Verleihung des Preises an Liu fuer die Forderung China zu verwestlichen kann man mir nicht als unpolitisch verkaufen. Da Liu aber ein im Gefaengnis sitzender und, wie ich meine, persoenlich sehr integerer Menschenrechtsaktivist ist, kann man der "Schubladisierung" nicht entkommen: Zustimmung zur Preisverleihung wird als Ablehnung der an Liu begangenen Justizwillkuer eingefordert  und somit umfunktioniert zur impliziten, unspezifischen  Verurteilung und Ablehnung des ganzen offiziellen China. Diese Methode ist in der Tat perfide denn so einfach ist es dann nun auch wieder nicht. Ob man Chinas gegenwaertiges politisches System per se ablehnt oder die Leistungen der letzten 32 Jahre anerkennt und die zu kritisierenden Zustaende wie etwa Justizwillkuer aber trotzdem, oder
 sogar gerade deswegen (weil man hofft etwas zu verbessern) heftig kritisiert, das ist halt ein ganz anderer Standpunkt und eine ganz andere Diskussion. 

Und genau so funktioniert es nicht minder perfide auch umgekehrt: erlaubt man sich Kritik an Lius Thesen wandert man rasch und beinahe reflexhaft in die Schublade der Zustimmung zu Lius Inhaftierung und all der anderen in China zu kritisierenden Umstaende (wie bei R. Fitzthum passiert). Oder, ebenfalls unzulaessig, von chinesischer Seite praktiziert: Lius Preisvergabe muss man ablehnen, sonst ist man gegen China und verunglimpft das chin. Justizsystem. 

Um dem zu entgehen, ist, wie schon oben ausgefuehrt, sehr scharf zwischen diesen beiden Diskussionen zu trennen. Wer hier "lauwarm" agiert, wandert flugs in die entsprechende Schublade. Wodurch sich dann jede sachliche Diskussion (sic !) eruebrigt. 

A.W. 

  






Helmut.Opletal at aon.at 
Sent by: sinonet-bounces at lists.univie.ac.at 
10/14/2010 01:11 AM 





To

fredakk at yahoo.com, helmut.opletal at univie.ac.at, robert.fitzthum at rfmc.at 


cc

sinonet at lists.univie.ac.at 


Subject

Re: SinoNet:        Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)
 








Lieber Robert, liebe Mitdiskutanten! 
  
1) Sachliche Diskussion? Ich habe geantwortet auf eine sehr unsachliche Diskussion, die hier angezettelt worden ist, auf den Versuch, ein Opfer der Justizwillkür mit Häme und Spott runterzumachen (dies geschah vor allem durch den Verweis auf den bösartigen Artikel von Sautman/Yan – s. „Ig Nobelpreis“). 
  
2) Zu sagen „die Ablehnung der Verurteilung steht ja doch außer Streit“ reicht mir da nicht aus, wenn ich gleichzeitig sehr wohl das Opfer denunziere. 
  
3) „Neoliberal“ war in diesem Kontext und in den zynischen Formulierungen von Georg Kneussl eindeutig als Denunzierung und Schimpfwort zu verstehen, auch „politische Ansichten …, die man hier in weiten Kreisen eher ablehnen würde“ (wer? welche? warum?), klingt mehr nach „pfui“ als nach sachlicher Diskussion. 
  
4) Dass Lius Wunsch nach „300 Jahren Kolonisierung“ nicht wörtlich zu nehmen ist, sondern als rhetorische Metapher, ist selbst aus dem verkürzten Zitat klar. Und wenn wir schon bei westlichem/europäischem Gedankengut sind: Was ist mit Marx, Engels, Lenin, Stalin? Wo kommt denn das her? Also eine Debatte über Modernisierung, gerechte Gesellschaftsordnung etc. (in China oder anderswo) ist sicher über Inhalte zu führen, nicht über die geografische Herkunft von Ideen, und schon gar nicht auf dem Rücken von für ihre Meinung eingekerkerten Bürgerrechtlern.    
  
5) Bleibt die Frage: Wie haltet Ihr es mit der Solidarität mit jemandem, dessen Grundrechte gröbest verletzt werden (auch wenn er in einigen Fragen Meinungen geäußert hat, die von Euren abweichen)? 
  
Grüße, Helmut 
  
  
  
Dr. Helmut Opletal
Traungasse 7/11 
1030 Wien, Austria 
Tel.: 01-7151364   
Mobil: 0676-6038512 
helmut.opletal at aon.at   
 




Von: sinonet-bounces at lists.univie.ac.at [mailto:sinonet-bounces at lists.univie.ac.at] Im Auftrag von Kim Kwok
Gesendet: Mittwoch, 13. Oktober 2010 16:11
An: helmut.opletal at univie.ac.at; Robert Fitzthum
Cc: sinonet at lists.univie.ac.at
Betreff: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung) 
  




è¿™é‡Œçš„è®¨è®ºå¾ˆæœ‰æ„æ€ï¼Œæœ‰äº›è¯å¾ˆæƒ³è¯´ã€‚ 
  
æ¯ä¸ªäººéƒ½æœ‰ç›²ç‚¹ã€‚在中国的人å‘往他们心目中"美好"的西方,在西方的人å‘往他们心目中 "纯æ´"çš„ä¸œæ–¹ã€‚å¤§å®¶å„æœ‰å„的想象, ä¹Ÿå„æœ‰å„çœ‹ä¸æ¸…的地方。 
  
刘晓波å‘往殖民统治,是已ç»ä¸åˆæ—¶å®œä¹Ÿå¾ˆç›²ç›®ï¼Œè¿™è¯å³ä½¿ä»Šå¤©åœ¨é¦™æ¸¯ä¹Ÿä¼šè¢«æ‰¹è¯„。 我ä¸äº†è§£ä»–è¿™ç§æƒ³æ³•的背景, æœ‰å¾…å†æŽ¢ç´¢ã€‚ 
  
然而, æ˜¯ä¸æ˜¯å› ä¸ºä»–的这些想法和言论, å°±è¦å¦å®šä»–所åšçš„事情呢? æ˜¯ä¸æ˜¯ä»–å‘往民主和自由就被扣帽å­"neoliberal"? (这里还真è¦å¼„清楚是指neoliberal 还是new liberal)  首先,我ä¸è®¤ä¸ºè¯ºè´å°”奖的评选就代表至高无上的é“德标准。得了奖,是一ç§çš„鼓励和肯定,得ä¸åˆ°ï¼Œæˆ‘认为刘晓波的价值也没有因此而é™ä½Žã€‚ 
  
所有诺è´å°”奖的获奖人都è¦é¢å¯¹å„ç§å„样的评论,是谄媚还是陷害,还是è¦ç•™å¾…历å²åŽ»è¯„ä»·ã€‚ 
  
郭俭 
  
香港 
  
  


--- On Wed, 13/10/10, Robert Fitzthum <robert.fitzthum at rfmc.at> wrote: 

From: Robert Fitzthum <robert.fitzthum at rfmc.at>
Subject: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung)
To: helmut.opletal at univie.ac.at
Cc: sinonet at lists.univie.ac.at
Date: Wednesday, 13 October, 2010, 8:14 PM 
Lieber Helmut Opletal, 
  
ich denke, auch politische Angelegenheiten sollte man sachlich diskutieren können. 
Die Ablehnung einer Verurteilung steht ja doch außer Streit. 
Interessant war der Beitrag von Herrn Kneussel allemal, da er zeigte, dass Liu politische Ansichten vertritt, die man hier in weiten Kreisen eher ablehnen würde. Welche Folgen es für China und die Welt haben könnte, wenn sich seine Meinung politisch durchsetzen würde, ist ja auch ein interessanter Themenkreis. 
Interessant auch das Kurier Interview von Fr. Prof. Weigelin-Schwiedrzik. 
  
Zusätzliche Information zu erhalten und Diskussion ist ja wohl der Zweck solcher Netzwerke. 
  
  
Mit besten Grüßen 
  
Robert Fitzthum 
  
  
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: sinonet-bounces at lists.univie.ac.at [mailto:sinonet-bounces at lists.univie.ac.at] Im Auftrag von Helmut Opletal
Gesendet: Mittwoch, 13. Oktober 2010 13:14
An: Gregor Kneussel
Cc: sinonet at lists.univie.ac.at
Betreff: SinoNet: Re: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China (Entschuldigung) 
  
Lieber Mitdiskutierende, auch wenn da offenbar manches nicht für die 
Allgemeinheit gedacht war, mir platzt trotzdem der Kragen! 
  
Meint Ihr das ernst und seid Ihr wirklich von allen guten Geistern 
verlassen? Merkt Ihr eigentlich, wessen Spiel Ihr da spielt? 
  
Hier ist ein chinesischer Bürgerrechtsaktivist, an dem ein ziemlich 
perfides Exempel statuiert wurde, der für Meinungsäußerungen und 
zivilgesellschaftliche Aktivitäten, die auch Ihr (so hoffe ich) für 
selbstverständlich in einer aufgeklärten Gesellschaft haltet, zu elf 
Jahren Kerker verknackt wurde, stellvertretend für 300 weitere 
Unterzeichner der Charta08, an die man sich – aus Angst vor 
Solidarisierungen – nicht gleich so radikal zu vergreifen wagte. Und Euch 
fällt nichts besseres ein, als ihm das Etikett „neoliberal“ auf die Stirn 
zu picken und eine aus dem Kontext gerissene Aussage aus dem Jahr 1988 (!) 
hervorzukramen, um ihn im Stil der kulturrevolutionären Rotgardisten zu 
denunzieren. 
  
Was wollt Ihr damit eigentlich suggerieren? Dass er zu Recht verurteilt 
worden ist? Dass es mit „Neoliberalen“ (was immer Ihr darunter versteht), 
mit Chinesen, die am westlichen Gesellschaftsmodell was Gutes finden, oder 
meinetwegen auch die US-Intervention im Irak gutgeheißen haben, keine 
Solidarität in Bezug auf grundlegende Menschenrechte geben kann? 
  
Man mag sicher über einzelne Ansichten von Liu und anderen chinesischen 
Dissidenten diskutieren (und das geschieht ja auch zwischen den 
unterschiedlichen Vertretern der chinesischen Bürgerrechtsbewegung), man 
mag auch debattieren, ob ihm wirklich der Nobelpreis gebührt. Aber 
jemandem, der von einem Unrechtsregime und einer Unrechtsjustiz derart 
menschenverachtend behandelt wird, auch noch Spott und Hohn nachzuschicken 
(wie es Sautman and Yan in dem zitierten Artikel tun!), halte ich für 
einigermaßen unwürdig. 
  
In diesem Sinne, grüßt euch Helmut Opletal 
  
  
  
  
  
On Mi, 13.10.2010, 05:09, Gregor Kneussel wrote: 
> Verzeihung – das hätte nicht an die Liste gehen sollen, sondern nur an 
> Martin. Und bitte auch den Tippfehler zu entschuldigen (Li/Liu). 
>   
> Gregor 
>   
> -------- Original-Nachricht -------- 
> Betreff: Re: SinoNet: Liu Xiaobo, Ai Weiwei für ein anderes China 
> Datum: Wed, 13 Oct 2010 10:09:48 +0800 
> Von: Gregor Kneussel <gregor.kneussel at gmx.net> 
> An: SinoNet at lists.univie.ac.at 
>   
> Gratuliere! 
>   
> Untenstehend ein etwas anderer Blickwinkel von Sautman und Yan, dem ich 
> noch hinzufügen würde, dass Li Xiaobo (als konsequenter Neoliberaler und 
> mutiger Verfechter der zivilisatorischen Mission des Westens) ein 
> begeisterter Unterstützer des Angriffs der USA auf den Irak war und ist. 
>   
> Natürlich sollte er dafür nicht im Gefängnis sitzen; dass er im 
> Gefängnis sitzt, enthebt seine Ansichten jedoch nicht jeglicher Kritik. 
>   
> Herzliche Grüße 
> Gregor 
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>   
>   
  
  
-- 
Dr. Helmut Opletal 
Institut für Ostasienwissenschaften (Sinologie) 
Universität Wien 
Spitalgasse 2, Hof 2, 1090 Wien, Austria 
Tel.: (+43-1) 4277-43852; -43840 (Sekretariat) 
helmut.opletal at univie.ac.at 
  
  
  
  
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