[Pluslucis] 21.April 09: Vortrag Massenspektrometrie - interdisziplinär
Helmut Kuehnelt
helmut.kuehnelt at univie.ac.at
Do Mär 26 10:32:55 CET 2009
(Auch für interessierte Schüler/innen!!)
Chemisch-Physikalische Gesellschaft
EINLADUNG
zum Vortrag
von
Ao.Prof. DI Dr. Thomas Prohaska
Universität für Bodenkultur Wien, Department für Chemie,
Abteilung Analytische Chemie – VIRIS Labor
über
Cold Case Friedrich Schiller:
Forensische Untersuchung historischer Artefakte mittels moderner
analytischer Methoden
Dienstag, 21. April 2009, um 17:00 Uhr
Ort: Lise-Meitner Hörsaal, Fakultät für Physik, Universität Wien
1090 Wien, Strudlhofgasse 4 / Boltzmanngasse 5, 1. Stock
Abstract:
Schillers Leben und frühes Sterben geben nach wie vor Rätsel auf und der
Verbleib der sterblichen Überreste des Dichterfürsten gleicht einem
Kriminalstück: Im frühen 20. Jahrhundert erschienen zahlreiche
Schriften, in denen es hieß, der Dichter sei von dunklen Mächten
vergiftet worden. Die Analyse der sterblichen Überreste - Haare, Knochen
– könnte einen Anhaltspunkt liefern, ob Schiller mit Schwermetallen
vergiftet wurde. Letztendlich starb Schiller höchstwahrscheinlich aber
an den Folgen einer Tuberkuloseerkrankung.
Die Untersuchung der Tapete aus seinem Arbeitszimmer förderte zudem
weitere spannende Details zu Tage: Schiller verbrachte die meiste Zeit
seines Wirkens in einem chemischen Giftcocktail, der zwar nicht
unmittelbare Ursache seines Todes, aber der Gesundheit nicht zuträglich war.
Nach seinem frühen Tod wurde Schiller im Kassengewölbe zu Weimar
begraben. Was geschah mit Schillers Gebeinen oder dem, was die Nachwelt
dafür hielt? Bis heute wurden insgesamt 3 Schädel dem Nationaldichter
zugeschrieben, die Wahrheit brachte aber erst eine jüngst durchgeführte
wissenschaftliche Untersuchung zu Tage. Ein groß angelegtes
Forschungsprojekt sollte Klarheit darüber bringen, ob einer der als
Schillerschädel ausgezeichneten Totenköpfe in der Weimarer Fürstengruft
wirklich zu Schiller gehört und eventuell Zeichen von
Schwermetallvergiftungen im Knochen nachzuweisen sind.
Schwermetalluntersuchungen von Haaren von Schiller und seiner
Zeitgenossen förderten in diesem Zusammenhang neue Informationen über
die Lebensumstände der damaligen Zeit zutage, welche die herrschende
Umweltbelastung in neuem Bild erscheinen lassen. Letztendlich wurde im
Frühjahr 2008 das Ergebnis präsentiert, dass keiner der Schädel Schiller
zugeordnet werden kann. Am Ende konnte das bisher in Schillers Sarg
befindliche Skelett durch DNA- und Isotopenanalytik mindestens drei
verschiedenen Individuen zugeordnet werden.